“Gaehn! Oh nein, warum ist es schon wieder so spaet? In fuenf Minuten muss ich ja schon aufstehen...” Jeden Morgen ist es das gleiche, ich bin einfach ein Langschlaefer und hasse fruehes Aufstehen. Zu allem Uebel ist das Wetter hier in England im Herbst nicht besonders freundlich. Da hat man noch weniger Lust aufzustehen als sonst. Jetzt aber los, Fiona wartet schon ungeduldig an der Tuer. Ihr Gesicht sieht so aus, als ob sie denken wuerde: „Meine Guete Kane, steh endlich auf. Es ist jeden Tag das Gleiche mit dir!“ Los geht‘s!
Auf dem Weg zur Arbeit, mache ich mir Gedanken ueber meine heutigen Ziele. Bei uns in der Firma arbeiten fast ausschliesslich internationale Praktikanten, die hier ihr studienrelevantes Praktikum absolvieren. Heute will ich 90% der Praktikanten in gute Laune versetzen und somit motivieren ihre Arbeit schnell und sorgfaeltig zu erledigen. 90% ist ein hohes Ziel, aber ich bin mir sicher, dass ich meine Mission erfuellen kann, denn heute fuehle ich mich besonders gut.
Im Buero angekommen, begruessen wir zuallererst Hollie und Raman aus England, die gerade beim Fruehstueck sitzen. Wir sind bereits gut befreundet und sie kraulen uns den Nacken. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir diesselbe Muttersprache (Englisch) haben. Die meisten der Praktikanten kommen aus ganz Europa und von weiter her.
Doch dann oeffnet sich die Tuer und ploetzlich kommen lauter neue Menschen herein, die ich noch nicht kenne. Ich bin verwirrt, ist denn heute schon wieder “Ankunftstag”? Tatsaechlich, heute kommen 5 neue Praktikanten aus Deutschland, Frankreich und Spanien an. Sie alle werden unterschiedlich lange bleiben: 6 Wochen, 2 Monate, 6 Monate. Freudig laufe ich auf sie zu, wedle mit meinem Schwanz und sage:” Wau! Wauwauwauuuu.” Fiona schnuefelt an ihnen, um sich ihren Geruch einzupreagen. Ein Maedchen unter ihnen weicht uns aus, vielleicht hat sie Angst vor Hunden oder vielleicht versteht sie uns einfach nicht. Doch der Rest scheint froh zu sein, nicht nur nette Menschen, sondern auch nette Hunde kennenlernen zu duerfen.
Die Zusammensetzung unseres Teams veraendert sich staendig, denn immer wieder kommen und gehen die Praktikanten. Manche bleiben fuer laengere Zeit, doch am Ende gehen sie alle wieder zurueck in ihr Heimatland und nehmen viele Erfahrungen und neue Erkenntnisse von ihrem Praktikum hier in England mit.
Aber nun wird es Zeit, dass ich mit der Arbeit anfange! In den Morgenstunden habe ich mir vorgenommen Fatima, Jihan, Khalid und Julia im Marketingbuero zu motivieren. Also versuche ich sie mit allen Mitteln zu unterhalten: Ich renne an ihnen vorbei und staube ein Streicheln ab, ich springe uebermuetig herum, spiele mit Fiona und tue alles um ein kleines Laecheln auf den Gesichtern zu sehen. “Wauwauwau” und schon sehen sie gluecklicher aus. Denn ich weiss ganz genau, dass sie in einer entspannten Atmosphaere besser arbeiten koennen.
Nicht nur das Team, sondern auch ich versuche alles, um ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Da heisst es nicht nur PMA (Positive Mental Attitude) fuer die Menschen, sondern auch fuer die Hunde! Jeder traegt seinen Teil zum guten Gelingen der Projekte bei.
Nachdem ich mich einige Stunden damit beschaeftigt habe, gibt es Mittagessen. Die Praktikanten gehen in die Kueche und auch ich bekomme mein Essen. Lecker!!!
Nachmittags geht es gleich weiter. Nach dem Essen sind alle traege, dehalb ist nun Bewegung angesagt. Gluecklichweise gibt es im Buero einige Spielsachen. Mit Hilfe des Tennisballs oder der Gummispielzeuge schaffe ich es eigentlich immer, dass Thomas und Benjamin sich ein bisschen bewegen und mit uns beiden spielen. Sie stehen auf, tollen mit mir herum, werfen die Baelle fuer mich und alle haben Spass. Deshalb moegen Fiona und ich die Mittagsstunden ganz besonders.
„Wau! Den Ball hab ich gerade noch so gefangen! Das war super!“ Ploetzlich steht mein Herrchen vor mir und sieht mich boese an. Habe ich mich zu laut gefreut? Habe ich jemanden gestoert? „Sitz Kane, sitz. Bleib hier. Fiona, Kane, bleibt!“ Herrchen sieht mich ernst an und befiehlt mir, mich von nun an ruhig zu verhalten, da Sara, Tasha und Jan aus dem CRM Buero beim Telefonieren nicht gestoert werden wollen. Ok, das wars dann wohl mit der Bewegung fuer heute.
Manchmal
gibt es mittags auch so eine Art Versammlung, die Praktikanten nennen
es “Workshop”. Es soll ihnen neue Faehigkeiten und Kompetenzen,
die sie fuer ihr Auslandspraktikum benoetigen, vermitteln. Dazu
setzen sich der Chef und alle Praktikanten zusammen und reden ueber
ein bestimmtes Thema. Manchmal fuehren Benjamin oder Ludovic auch
Praesentationen vor. Fiona und ich sind auch meistens dabei und wir
sorgen fuer ein wenig Abwechslung. Denn wenn der Hund dabei ist, werden die Menschen gleich menschlicher (Hubert Ries).
So langsam geht der Arbeitstag zu Ende. Die Praktikanten gehen nach Hause und auch Fiona und ich gehen zu guter Letzt. Auf dem Heimweg ueberlege ich mir, was heute alles passiert ist und ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden mit dem Tag bin. Heute habe ich sehr gute Arbeit geleistet, denn beinahe alle waren entspannt und PMA. Einmal wurde ich zwar zurechtgewiesen, aber das passiert eben manchmal. Morgen werde ich es noch besser machen. Mein Tagesziel habe ich dennoch erreicht: 90% der Praktikanten und mehr waren sehr engagiert und motiviert.
Jetzt habe ich mir meinen Feierabend aber redlich verdient. Ich werde einen entspannten Abend mit Fiona verbringen und muss mich gut ausruhen, damit es Morgen wieder heisst: Hunde fuers Praktikum - Mission Possible. Wau!
Julia Stegmaier
